BAND

Kai-Steffen Müller, Bass // Michi Ludes - Gesang, Gitarre // Tobi Noormann, Schlagzeug
Eine Frage der Zeit
Wenn man der Band Mikroboy begegnet und Texter, Gitarrist und Sänger Michael Ludes bei einer späten Tasse Kaffee oder einem Bier in die Augen schaut, dann fallen einem zwei Dinge sofort auf: die Euphorie − und die Augenringe. Man könnte und man sollte diese Worte auch benutzen, um die Musik ihres zweiten Albums "Eine Frage der Zeit" zu beschreiben. Sie ist voll von zweifelnden, erschöpften Zeilen, die einem gnadenlosen Blick auf den eigenen Gemütszustand abgerungen wurden, Zeilen wie diesen: "Ich werde die Spuren gut verwischen, ich wähle Routen die niemand kennt, ich werde falsche Fährten legen / Immer auf der Suche nach dem Sinn." Dass diese unverstellte Poesie dabei nie ins Wehleidige kippt, ist vor allem der Euphorie zu verdanken, die Michi, Kai Steffen Müller (Bass) und Tobi Noormann (Drums) antreibt. Wobei Michi selbst ein anderes Wort findet: "Da ist immer noch viel Hoffnung drin. In allem, was wir machen." Zum in den Studios von Tobias Siebert (Produzent von z. B. Juli, Kettcar und Phillip Boa) entstandenen "Eine Frage der Zeit" hat sich das Bandgefüge inzwischen bei der oben genannten Besetzung Michi Ludes / Kai Steffen Müller / Tobi Noormann gefestigt.
Konkret bedeutet diese Entwicklung, dass "Eine Frage der Zeit" eine toll eingespielte Band zeigt, die zwar immer noch die Indie-Pop-Hymnen kann, für die man Mikroboy schätzt, die sich aber immer mehr traut, die Gräben zwischen Euphorie und Zweifel musikalisch zu vertiefen und die Klangfarben zu verdunkeln. Auf Zeilen des Zweifels folgen nicht selten geradezu himmelstürmende Gitarren, auf bedrohliches Keyboardbrummen eine lupenreine Popmelodie. Man nehme zum Beispiel "Es hat sich einiges getan". Einer dieser Songs, der einem den Glauben an deutschsprachige Popmusik wieder eintreibt. Ein verdammter Hit, der auf jedes Mixtape gehört, vor allem auf jene, die man den guten, den besten Freunden schenkt. Und trotzdem weigert sich Michi, darin leicht verdauliche Zeilen zu liefern − er spricht von "Gärten mit Werten", seziert Melancholie, stößt einen in das Niemandsland zwischen Liebe und Freundschaft − und das Minenfeld, das man nicht selten dort findet. "Solang der Mut den Zweifel schlägt", heißt ein weiterer Song der neuen Platte - und man könnte meinen, hier wird das tragende Konzept, der Antrieb der Band Mikroboy benannt.

















